Silver Swan

Erster Beitrag dieses Jahr und wir legen direkt mit einem ganz besonderen Ort los!

Eine kurze Vorgeschichte an dieser Stelle: Zwar bin ich nach 9 Jahren nicht mehr so euphorisch und fanatisch wie früher. Ich muss nicht mehr unbedingt überall reinkommen und wenn ich mal die Speicherkarte zu Hause vergesse (später dazu mehr) oder die Kamera keinen Akku hat, dann ist es auch so, immerhin hat man ja noch ein Handy… aber es gibt eben diese Locations, welche einem nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Der berühmte „Silver Swan“ ist eine davon. Dieses Hotel in schönster Alpenlandschaft ist nicht nur ein Überbleibsel der Visionen seiner Besitzer, sondern auch Zeuge des Niedergangs einer Region, die mit größeren Tourismusorten nicht mithalten kann und in der besonders die Jugend abwandert. Nicht nur dieses Hotel steht leer, vor einigen Jahren habe ich bereits über ein anderes Hotel in derselben Gegend berichtet. Das Silver Swan steht aber schon etwas länger leer und war mir schon vorher bekannt. Nur schien dieser Ort gewaltig was gegen mich zu haben…

Um es kurz zu machen: Insgesamt 5 Mal haben wir versucht dort hineinzukommen. Auch wenn andere Personen am Tag zuvor dort waren, so würde es bei meinem Besuch verschlossen sein. Eigentlich hatte ich mich nach all den Jahren damit abgefunden und schaute mir mit leichtem Neid die Bilder des immer bekannter werdenden Ortes an. Bald wurde es schon zu einem Running-Gag, dass ich vermutlich nicht einmal bei einem Abriss dort hineinkomme.

Am Samstag sollte sich jedoch alles ändern! Tobi_Urbex fragte mich schon eine Weile vorher, ob ich noch weitere Locations in Tirol kenne, die sich gut für Videos eignen, da seine Gruppe, Broken Window Theory (Link zu einem Interview mit den Jungs), aus Deutschland kommen würden. Leider ist Tirol ja etwas abgegrast, was Lost Places angeht, dennoch hatte ich noch was im Hinterkopf. Leider wurde daraus diesmal nichts, dennoch fuhr die Gruppe am Samstag zum Silver Swan, Tobi witzelte schon vorher, ob ich auch mit möchte oder ob dann alles zu sein würde. Naja, eigentlich wollte ich auch nicht mit… bin ich auch nicht, zumindest nicht direkt. Wenn ich schon nicht reinkomme, wenn am Tag vorher jemand da war, so müsste es doch klappen, wenn gerade jemand drin war!

Gesagt getan, Tobi meldete sich, als sie es ins Gebäude schafften. Dann erstmal den Komplizen aus dem Bett schmeißen und direkt Richtung Hotel! Und hier beginnt erst unsere eigentliche Erkundung.

Das Wetter war richtig gut und rein von der Menge an Menschen hätte man nicht sagen können, dass der Ort Probleme mit dem Tourismus hatte, generell schien es etwas lebendiger zu sein, als bei unserem letzten Besuch. Uns interessierten aber weniger die Skipisten als die Hotelruine, welche sich am Ende des Ortes befand. Auch wenn man unter den Massen nicht so auffiel, so war der Einstieg doch alles andere als entspannt. Wenn rechts von dir auf dem Parkplatz des Nachbarhauses Touristen hin und her rennen und sich hinter dir die Skifahrer tummeln, dann ist das schon beklemmend. Noch dazu weiß der aktuelle Verwalter um die Fotografen, welche sich hier regelmäßig aufhalten und hat ein ordentliches Auge auf das Gebäude. Etwas zeitversetzt und so unauffällig wie möglich machten wir beide uns also auf zum Eingang. Und tatsächlich! Wir waren drin. Richtig glauben konnte ich es aber erst, als ich in dem pinken Samtsessel in einem der Zimmer saß. Auch Tobi und der Rest des BWT-Teams waren bald gefunden. Es war aber auch der Punkt, an dem mir auffiel, dass ich keine Speicherkarte in der Kamera hatte und die Ersatzkarte nicht im Rucksack war. Auch mein Komplize hatte (mit dem Hintergedanken das wir vielleicht nicht reinkommen) seine Ausrüstung zu Hause gelassen. Ja…dieser Ort mag mich tatsächlich nicht! Zugegeben ich denke normalerweise auch an alles…was nicht meine Kamera betrifft. Glücklicherweise konnte ich mir bei so vielen Fotografen aber eine Karte ausleihen (an dieser Stelle nochmal Danke!). Nun konnte es richtig losgehen!

Das Hotel wirkt von außen um einiges kleiner, aber hier gab es so viel zu entdecken! Wir arbeiteten uns von oben nach unten durch. Etwa 300 Betten hatte das Haus, dass erste Highlight befand sich jedoch etwas versteckt im obersten Stock. Dieser war nur über eine kleine Wendeltreppe zu erreichen. Ein wunderbares Penthouse mit Blick über die Berglandschaft! Das Beste daran war aber die Badewanne, denn die gab den Ort seinen Namen. Genau genommen waren es die versilberten Armaturen in Form eines Schwanes. Die anderen Stöcke teilten sich in einfache Zimmer und einige Suiten auf, es war ein bunter Mix aus Samt und Kitsch mit etwas Tiroler Stil. Im Erdgeschoss fanden sich Essbereiche und Küche. Hier war das meiste Mobiliar allerdings zusammen gestapelt und in einem der Räume abgestellt worden. Ein anderes Highlight war die Bar im Keller, die Gattin des Hotelbesitzers war ein großer Fan des Theaters und so gab es auch eine Bühne und regelmäßige Live-Veranstaltungen. Über die Dame möchte ich nicht zu viel sagen, sonst wird es sehr einfach den Ort zu finden (auch wenn Videos mit zu viel Information auch schon das Gegenteil bewiesen haben).  Sagen wir einfach, die Geschichte dieser Dame ist eine die zwischen Erfolg und einem guten Leben und dem absoluten Abstieg steht, auch fand sie kein gutes Ende. Ebenso wenig wird sie für dieses Hotel gut ausgehen. In manchen Teilen des Gebäudes wuchern Moos und Schimmel nur so und im Winter spürte man förmlich die Nässe und Kälte. Andere Teile waren eingestürzt und wiederum gab es kleinere Spuren vom Vandalen. Wobei auch diese vor den Bereichen halt machten, welche erahnen lassen, welche Visionen in dieses Hotel gesteckt wurden, bevor die Insolvenz kam.

Am Ende bin ich froh, dass ich es in dieser Form nochmal sehen durfte, wer weiß, ob es beim nächsten Mal nochmal gelingt!

Cheers!

~ Roach ❤

Übrigens: Ihr habt vielleicht gemerkt, dass es hier etwas ruhig ist. Leider fehlt mir mittlerweile einfach etwas die Zeit für Erkundungen, daher habe ich jetzt einen Instagram-Account, auf dem ich regelmäßig posten werde! 😉

 

6 Gedanken zu “Silver Swan

  1. Hallo Roach,
    ein interessanter Bericht über das Hotel Silver Swan, Danke dir. Was ich nicht verstehe ist, warum es so wahnsinnig schwierig für dich war, da reinzukommen während Andere es offensichtlich einfacher hatten. Ich finde die Fotos wie die Räume des Hotels gestaltet und gedacht waren mega – total verspielt, verschnörkelt und sicherlich teuer eingerichtet. Schade, dass es verfällt. Ich finde, wer dort einkehrt, wird in eine Welt versetzt, die heute so nicht mehr existiert und das kann sehr spannend sein,
    Liebe Grüße
    Bettina

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Bettina,

      Genau das ist ja das Spannende an Lost Places, am Ende sind es ja die Räume anderer Personen, Wertvorstellungen und Zeiten. Hier sieht man es wirklich gut.

      Warum kann ich dir auch nicht so genau sagen, entweder war es einfach viel Pech oder sollte einfach nicht sein xD

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  2. Schon zwei Monate und der erste Beitrag im Jahr… Momentan macht das Urbexen auch mir nicht wirklich große Freude. Zumindest habe ich das Gefühl das immer mehr auf diesen Zug aufspringen und das Resultat ist erschreckend. Da vergeht es mir und ich laufe lieber durch den Wald.
    Tolle Bilder von einem beeindruckenden Ort, den Du zeigst. Danke

    Gefällt 1 Person

    • Bei uns ist es zeitlich auch einfach schwer, besonders wenn nichts in der näheren Umgebung ist. Aber gut, dass es nicht nur uns so geht! Das Leute auf den Zug aufspringen ist ja nichts Neues, aber irgendwie kommt mir vor das es die neueren Gruppen irgendwie immer extremer treiben wollen und teilweise auch an Orte gehen, wo ich mir oft nur denke: „Okay, das ist ja schon selten dämlich!“ Vielleicht werd ich aber nur einfach alt und muss mich jetzt über alles und jeden aufregen. xD Unsere Oster-Tour machen wir dieses Jahr trotzdem, wenn aber auch nicht mehr so versteift auf Lost Places von morgens bis abends (naja, wir haben auch zwei Leute dabei diesmal, die noch nie sowas gemacht haben).

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