Tallinn – Stadt der Gegensätze

Im Spätherbst entschieden ein paar neue Mitstudenten und ich während einer Party: „Lasst uns doch nächstes Wochenende nach Tallinn fahren!“ Eine Woche später standen wir dann tatsächlich auch schon auf der Fähre von Helsinki nach Tallinn. Da waren wir also: Sechs Studenten aus China, eine aus Deutschland und ich. Für mich war es das erste Mal auf einer großen Fähre. Die zwei Stufen nach Estland verbrachten wir trotzdem drinnen, dass Wetter war nicht gerade einladend. Auffällig waren die vielen Finnen an einem Freitagabend, welche dasselbe Ziel hatten. In Tallinn angekommen ging es erstmal quer durch die Außenbezirke in unser Hostel. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, war es nicht so einfach eine Woche vorher eine Übernachtungsmöglichkeit für acht Personen zu finden. Das Hostel Sasala hatte nicht gerade gute Bewertungen, aber es war im finanziellen Rahmen und mal ehrlich: Wie schlimm kann es schon sein? Wir sind ja eh nur zum Schlafen da. Das Hostel entpuppte sich als ein Holzhaus mit verputzten Wänden aus Sowjetzeiten. Nun eher ein Wohnhaus. Man hatte einfach Betten in die alten Räume gestellt und die Dusche teilte sich das zweistöckige Haus. Naja, es war nicht sonderlich sauber und ich war mir sicher, dass in meinem Bett mal ein Hund gelegen hat aber ja….passt schon. Ehrlich gesagt war es uns gerade egal, es war bereits später Abend und wir hatten Hunger.  Da unsere Freunde aus China sich vorgenommen hatten, diverse chinesische Restaurants in Europa auszuprobieren, entschieden wir uns für einen Chinesen nicht weit von Hostel. Lecker!

Am nächsten Morgen gönnten sich die Studentin aus Deutschland und ich uns ein leckeres Frühstück in der estnischen Cafe-Kette Reval. Danach machten wir uns zusammen auf zum zentralen Rathausplatz. Von da an spaltete es sich etwas auf, zum Mittagessen würden wir uns wieder treffen. Auf dem Marktplatz fand gerade ein kleines Fest statt. Es gab einen  Handwerksmarkt und Musik. Tallinn präsentiert sich als mittelalterliche Stadt, ist sie ja auch, genau genommen eine der ältesten erhaltenen Städte Europas. Noch etwas viel auf: Sie ähnelte deutschen mittelalterlichen Städten. Kein Wunder! Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war die Stadt auch fast ausschließlich  deutsch und zeitweise Dänisch geprägt. Ich kenne die Stadt tatsächlich auch noch als „Reval“ aus meinem alten Schulatlas. Die Unterstadt ist der touristisch interessante Teil der Stadt, Hier stehen die mittelalterlich Bauten umringt von der Stadtmauer. Für drei Euro kann man sogar auf diese hoch! Ansonsten gibt es einiges an katholischen Kirchen und auch eine orthodoxe Kirche. Was auch cool ist, ist, dass viele Orte als  Freilichtmuseum dienen. An jeder Ecke kann man was entdecken, zum Beispiel die St. Katharina – Gasse. Diese enge, leicht zu übersehende Gasse ist eine der ältesten Züge Tallinns und das Zentrum der Handwerker. Auch heute kann man noch in die Werkstätten schauen.

Verlässt man die Altstadt, zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Und genau hier spaltet sich auch meine Meinung zu dieser Stadt. Auf der einen Seite haben wir dieses Tourismuszentrum, welches stark inszeniert wird, Kellner in Mittelalter-Kostümen und Matroschkas für die zahlreichen russischen Gäste. Draußen ist die Stadt durch zwei Dinge geprägt: Die Sowjetzeit und die Nähe zu den nordischen Nachbarn. Estland versucht ja schon länger als nordischer Staat anerkannt zu werden, viele der Neubauten könnten genauso gut in Helsinki stehen. Die andere Seite sind Blockbauten und heruntergekommene Straßenzüge. Fast sieht es so aus, als möchte man alles aus dieser Zeit möglichst vergessen. Irgendwie wirkt es innerhalb der Stadtmauern wie ein Freizeitpark.

Am Abend (Samstag) zeigte sich auch, warum so viele Finnen auf der Fähre waren. Nach dem Abendessen war es unter unserem Zimmer unheimlich laut. Wir waren ja nicht so weit von Hafen und unter uns im Keller war eine Bar, welche in erster Linie finnische Gäste als Zielgruppe hatte. Der Alkohol ist ja in Estland viel günstiger! Kein Witz, bei unserer Rückreise am Sonntag trafen wir einige bekannte Gesichter vom Freitag wieder, nur zum Teil völlig verkatert. Auch so kann man ein Wochenende in Tallinn verbringen 😉 Leider war die Zeit etwas kurz um mehr zu sehen.

Reisetipps gefällig?

Visum: Nein

Anreise: Von Helsinki günstig mit der Fähre aber auch mit Auto, Zug und Flug zu erreichen.

Unterkunft: Es gibt viele westeuropäische Ketten aber auch lokal lässt sich viel finden. Je nachdem ob man ein Fan von Partys ist, sollte man auf die Lage achten 😉

Geld: Euro, Kreditkarten werden so gut wie immer akzeptiert, wegen der vielen russischen Gäste werden oft auch Rubel genehmigt.

Essen und Trinken: Eine bunte Mischung aus mitteleuropäischer Hausmannskost, russischen Speisen und nordischer Küche. Die  Preise sind auf westeuropäischen Standart. Wer eine landestypische Süßigkeit probieren will, der sollte sich ein „Kohuke“, einen Quarksnack, besorgen. 😉

Sprache: Das Estnische ähnelt stark dem Finnischen, Russisch und auch ab und zu Deutsch wird ebenfalls gesprochen. Englisch ist ebenfalls Verkehrssprache und wird auch gut verstanden.

Sicherheit: Nichts Auffälliges. In Souvenirshops wird darauf hingewiesen das  Wechselgeld nachzuzählen.

Öffis:  Buslinien gibt es einige, Tickets können beim Fahrer gekauft werden. Die Altstadt lässt sich bequem zu Fuß erkunden.

Telefon und Internet: Europäisches Ausland, die Preise sind nicht besonders hoch. Tallinn ist sehr stolz auf sein gutes W -Lan Netz. Freien Zugang gibt es  fast flächendeckend.

Cheers!

~ Roach ❤

 

 

5 Gedanken zu “Tallinn – Stadt der Gegensätze

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.