Åland – Mitten in der Baltischen See

Los geht’s! Der erste „offizielle“ Reisebericht! 😀

Mitte Dezember brach ich vom finnischen Turku auf zu einer Insel mitten in der kalten, stürmischen baltischen See. Diese Insel war etwas Besonderes, auf ihr lebte ein Volk, welches sich nicht den Konventionen des finnischen Staates beugen wollte, welches von seinen schwedischen Verbündeten in Stich gelassen wurde im Kampf gegen die russischen Besatzer. Diesen Ort wollte ich erkunden und seine Geheimnisse lüften. Wie ein Pirat auf Raubzug kam ich mir in der rauen See vor! Auf nach Åland!

Okay…ganz so abenteuerlich war es dann doch nicht, ich bin auch nicht selber hingesegelt. Eigentlich habe ich ganz entspannt fünf Stunden auf einer Fähre Richtung Stockholm gesessen und den Blick auf die See von der Bar aus genossen. Dennoch, einzigartig ist Åland trotzdem. Auf halben Wege zwischen Finnland und Schweden liegt die zerklüftete Inselgruppe. Politisch gehört sie zu Finnland, aber schon bei der Ankunft merkt man, hier ist einiges anders. Was mir als Erstes auffiel, war der eisige Wind. Ja, Mitte Dezember ist keine besonders gute Zeit nach Mariehamn , der „Hauptstadt“ der Insel zu reisen. Selbst ohne Schnee ist das Wetter wegen der Lage unbeständig und vor allem kalt. Auch im restlichen Vergleich fällt Åland eher aus dem Rahmen. Die Straßen sind rot, der Asphalt besteht zu einem Großteil aus dem stark metallhaltigen roten Schotter der Insel und auch das Schild, welches Besucher begrüßt ist auf Schwedisch. Auf der ganzen Insel wird Schwedisch gesprochen.

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Ich schnappte mir also meine Sachen und machte mich auf die Suche nach meiner Pension. Viel los war hier nicht, die meisten der Leute auf der Fähre waren wohl auf den Weg nach Stockholm. Nur einzelne Passagiere schienen auch auf der Insel zu Leben, in erster Linie wohl Studenten, welche über Weihnachten nach Hause kamen. Es war eigentlich wie ausgestorben. Die Pension Kronan hatte ich schnell gefunden, aber auch hier schien alles wie verlassen zu sein. Doch dann öffnete mir eine ältere Dame. Ja, um diese Zeit kommen wirklich keine Touristen mehr, im Sommer gibt es viele Liebhaber und Besitzer von Yachten, welche in den Häfen ankerten und Touristen, welche den maritimen Flair und das Wetter genossen. Hieß für mich also: Ich hatte die komplette Pension für mich allein! Die Zimmer waren völlig okay für eine Nacht, ich würde am nächsten Tag eh schon zurückfahren. Viel Zeit würde ich wohl sowieso nicht auf dem Zimmer verbringen. Mit der Kamera und den Schwedisch-Kenntnissen aus dem Sprachunterricht in Turku machte ich mich also auf Entdeckungstour. Ich erwartete nicht viel, wie gesagt, es war ja eigentlich keine Reisezeit mehr. Nach einem kurzen Fußweg erreichte ich schon die Hauptstraße, welche einmal vom linken Ende der Insel zum rechten Ende führte, an der Kirche vorbei, konnte man auch schon in die „Fußgängerzone“ einbiegen. Die Straße war überschaubar, links und rechts gab es jedoch alles, was man braucht, Bars, Restaurants, schwedische und finnische Supermärkte, Geschäfte für alles von Kleidung und Deko, eine Filiale der lokalen Bank und ein Postamt. Als autonome Region hat Åland viele Freiheiten und sogar eigene Briefmarken und Poststempel. Bezahlt werden kann sowohl in Kronen als auch in Euro. Mein erstes Ziel als passionierte Postkarten-Schreiberin war der einzige Buchhandlung (die Post hatte am Samstag Nachmittag schon zu). Danach ging es zu einem der Hauptattraktionen, den östlichen Hafen. Hier bekommt man kostenlos einen Einblick in die Geschichte der Schifffahrt, welche heute noch für viele Bewohner die Existenzgrundlage bildet. In den Werkstätten und Werften wird alles von kleinen Holzbooten bis zu großen motorisierten Schiffen repariert und gereinigt. Das Hafenviertel dient im Sommer auch als Flaniermeile. Zwei Shops mit lokalen Produkten haben sich hier niedergelassen. Was beim Einkaufen auffällt, ist der krasse Preisunterschied (sogar zu Finnland), alles wird hier importiert. Da es kurz vor Weihnachten war, gab es hier einen kleinen Weihnachtsmarkt.

 

Nach einer kleinen Tour durch den Hafen fing es an zu regnen. Also zurück zur Pension, Postkarten schreiben und dann nochmal los zum Abendessen. Seltsam war es schon in dieser ruhigen Kulisse ganz allein durch die Stadt zu schlendern. Wobei Stadt schon ein großer Begriff ist, es ist eher ein größeres Dorf. Nach einiger Zeit hatte ich auch eines der letzten noch offenen Restaurants gefunden, der Rest war schon in Winterpause. Generell schien sich das Leben gerade nur um das Restaurant und die beiden anschließenden Bars zu konzentrieren. Dino’s Bar & Grill, klang zumindest ganz gut, war es auch. Ganz witzig war ja, dass die Bedienung aus Deutschland kam, man findet euch wirklich überall. 😉 Da nicht viel los war, haben wir uns etwas unterhalten, zum Nachtisch gab es noch ein leckeres Schokomousse mit Eis und Früchten. Auf den Weg nach Hause kehrte ich noch in einer kleinen Bar ein für ein schwedisches Nordland-Bier ein und beschloss es für heute gut sein zu lassen. Die Nacht war ruhig und am Morgen gab es ein kleines Frühstück von der Wirtin, die nebenan wohnte. Meine Fähre würde kurz nach Zwei kommen, da die meisten Museen und Aktivitäten bereits geschlossen  hatten, ging ich also nochmal in die Fußgängerzone um etwas einzukaufen, ein paar Souvenirs und etwas zu Essen für die lange Fahrt heim. Das Wetter war heute leider auch nicht besser. Zum Abschluss ging ich noch ein Stück entlang des Stegs an der steilen Felsküste, hier ließen sich wunderbar die Schiffe beim an und Ablegen beobachten.

 

Dann war es auch schon soweit. Am Terminal war ich auch die Einzige. Ich muss wohl doch im Sommer nochmal hin. Aber schon cool, sowas mal zu sehen, eine kleine Anomalie mitten in der Baltischen See.

Lustige Anekdote, welche ich in der Bar erzählt bekommen habe: Während der russischen Besetzung der Insel  wusste sich die bäuerliche Bevölkerung, ohne militärische Ausbildung, nicht zu helfen. Daher baten sie beim schwedischen König um Hilfe, diese konnten jedoch keine Truppen entbehren und sendeten lediglich Waffen auf die Insel. Die Bewohner entpuppten sich aber als gute Schützen und machten den Russen das Leben schwer. Als diese kapitulierten sollen angeblich die weißen Fahnen von den Ålandern beschossen worden sein, weil diese die Geste nicht verstanden und dachten, sie wollten mitten in der Schlacht ihre Wäsche waschen, um die Inselbewohner zu verhöhnen. Wahr oder nicht? Keine Ahnung, aber eine gute Überleitung 😉

Nächstes Mal geht es nämlich nach St. Petersburg!

Cheers! 

~ Roach

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