Teatro G.

Normalerweise bevorzuge ich ja die normale Eingangstüre, aber ab und zu muss man sich mehr anstrengen, um gute Plätze zu bekommen. In diesem Fall hieß das vor allem: Eine möglichst trockene, nicht morsche Lodge. Wer hat schon Lust während der Vorstellung durch den Boden zu brechen?

Also: Sucht euch ein nettes Plätzchen und ich werde euch die Geschichte dreier Urbexer auf ihren beschwerlichen Weg zu diesem Lost Place erzählen.

Alles begann an einem milden Nachmittag irgendwo im italienischen Hinterland. Die Sachen waren gepackt und wir bereit zur Fahrt. Ich machte es mir auf der Rückbank des kleinen VW bequem und beobachtete die Landschaft. Nach einer Stunde erreichten wir einen kleinen Ort, gebettet auf einem Hügel. Nachdem wir einen Parkplatz gefunden hatten, schauten wir uns erstmal die Satellitenbilder der Umgebung an.

Das würde interessant werden. Der Haupteingang befindet sich direkt an der Hauptstraße und auch noch gegenüber einer Schule. Daneben gab es ein weiteres leerstehenden mehrstöckiges Haus, möglicherweise ein Weg hinein? Wir machten erstmal eine Runde um die Gebäude, schnell wurde klar: Es gibt nur einen sinnvollen Weg. Eine unverschlossene Tür, die in ein Feld neben dem verlassenen Gebäude führte. Wir schlichen an der Mauer entlang, immerhin waren wir auf einem offenen Feld leicht zu sehen, wenigstens schienen wir richtig zu sein. Auf halben Weg stand plötzlich ein altes Öl-Fass an einem unbewachsenen Teil der Gartenmauer. Das das nur der Anfang einer aufregenden Kletterpartie werden würde, war uns in diesem Moment noch nicht klar. Erstmal stellte sich Ernüchterung ein. Wir standen tatsächlich im Garten des Hauses, nun zumindest in einem Teil davon, Hinten ging es nicht weiter und vorne über einen Absatz etwa drei Meter tief hinunter. Aber…eine Möglichkeit gab es noch. Stellt euch diese engen, rechteckigen Fenster vor, genau die, welche mit Metallrahmen in sechs Teile aufgeteilt sind. Jemand hatte die untersten Streben entfernt, also war etwa 1/3 des Fensters offen. Nun, ein Versuch war es wert und es hat auch funktioniert, auch wenn es die männlichen Kollegen wesentlich einfacher hatten (*hust*). Damit war der erste Teil geschafft, nun ging es darum, das Wohnhaus zu erkunden und einen Weg ins Theater zu finden. Nach mehreren Stöcken merkten wir, das wir noch einen Anbau dazwischen hatten. Nach längeren Suchen in den leeren Gängen erreichten wir einen weiteren Hinterhof.

Wir waren wieder an der der Mauer vom Anfang, nur eben einen Garten weiter. Die Tür nach außen war verriegelt. Es gab nur einen offensichtlichen Weg. Eine weitere, etwa zwei Meter hohe Mauer, welche über eine Trasse scheinbar in den Hof des Theaters führte. Jemand hatte den Maschendrahtzaun ausgerissen und der Mauer entlang nach unten gezogen. In der Wand waren Steine für Tritte entfernt worden. An dieser Stelle was zu mir, ältere Leser wissen ja bereits: Ich bin nicht besonders groß, von mittlerer Statur und unsportlich und habe sehr wenig Kraft. Auch sonst bin ich motorisch nicht gerade gesegnet (meine Mutter bezeichnet mich in dieser Beziehung schon seit Kindertagen als „motorische Wildsau“). Glücklicherweise gelang es mir mit Hilfe meines Freundes doch. Ich hoffte inständig, dass dies die letzte Kletterpartie sein würde. Oh meine Lieben, wie sehr ich mich täuschen sollte. Aber! Wir hatten es geschafft!

Durch ein Fenster gelangten wir ins Innere des Theaters, nun mussten wir nur noch einen Weg zur Bühne finden. Da das Gebäude wortwörtlich in einem Hügel stand, befanden wir uns ganz oben.  Leider erkannten wir schnell, dass der Weg nach unten alles andere als einfach werden würde. Der Weg in den Saal führte gerade nach unten. Wir standen an einer der Türen, welche wohl einst für die Lichttechniker gedacht waren, also der Bereich einer Bühne, wo normalerweise Vorhänge und Scheinwerfer angebracht wurden. das wäre ja kein Problem, wäre nicht das Geländer komplett gerostet und zum Teil schon nicht mehr vorhanden gewesen. Das Dach war an vielen Stellen offen, ein Brand und Regen haben der Substanz schwer zugesetzt. Anderen Weg gab es aber auch keinen. In einer wackligen Aktion hangelten wir uns also nach unten, an einer Stelle war es nur noch Rutschen entlang des Geländers, Stufen gab es keine mehr. Ich kann euch gar nicht beschreiben, wie froh ich war auf der (morschen) Bühne zu stehen. Wir hatten es geschafft! Zumindest fast. Entlang der Stützbalken suchten wir uns den Weg zu den Tribünen, dort war nämlich offensichtlich betoniert. Kurz vor den Tribünen machte ich dann aber einen Schritt zu weit nach rechts, sei es wegen der Aufregung oder einfach nur aus Tollpatschigkeit. Jedenfalls merkte ich nur noch, wie der Holzboden unter meinem Fuß nachgab. Zu meinem Glück war aber bereits an dieser Stelle betoniert. Etwa 15 Zentimeter tief, dann war Schluss. An diesem Abend habe ich definitiv ein Bier gebraucht. Aber verdammt, es hat sich gelohnt. Seht selbst:

Nun meine Freunde, spannend war das definitiv. Auf den Weg nach draußen wär ich auch fast nochmal abgestürzt. Also das mir noch nie was Gröberes passiert ist. ^^‘ Für die Location hat es sich gelohnt, ab und zu muss man halt durch.

~ Cheers!

20 Gedanken zu “Teatro G.

  1. ein Wahnsinns Lost Place ! Der Weg war beschwerlich aber hast du toll gemeistert und es hat sich ja auch gelohnt. Das Foto mit der herunterhängenden Gallerie find ich persönlich der Hammer ! Man sieht dass alles sehr morsch ist ! Also mal wieder ein Highlight ! Erste Sahne !!!

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      • Beruflich auf der Ebene kommt eigentlich nur die Fotografie in Frage, ich bin zwar gelernte Grafikerin aber das ist wirklich nur ein Hobby 😉 Ich habe mittlerweile auf den Geisteswissenschaftlichen Bereich umgesattelt und arbeite mittlerweile nebenbei als Archivarin und das taugt ungemein. Also es geht in eine ähnliche Richtung. Nur mit Urbexen wird des einfach nichts, vor allem seh ich ja bei Kollegen, welche wirklich mit Videos und Sendungen ihr Geld machen, was das für ein Aufwand ist.

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      • Ja ich weiß. Aber wenn man seine Nische in der Fotografie hat, kann man das schon in Angriff nehmen. Ich denke ebenfalls darüber nach, kann nur nicht so ganz einschätzen, ob ich wirklich Potential habe. Mit deinen Bildern kannst du es doch mal beim Verlag Spectorbooks in Leipzig probieren, die haben ja wirklich einen abstrakt -künstlerischen Anspruch 🙂 LG!

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      • Danke für den Tipp. Ich muss schauen ob da mehr draus wird. Wenn dann läuft es aber aktuell mehr auf der ethnografischen Schiene, da ich mittlerweile die zweite Arbeit zum Thema schreibe. Nische ist es ja leider nicht mehr wirklich, gerade bei Bildbänden zu Lost Places. Also deine Fotos sind klasse! 😀

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