(No) Train to Siemensstadt

So ihr Lieben!

Heute gibt es den ersten Eintrag zur Berlin Exkursion von vorletzter Woche 😉

Wie auch bei den anderen Berlin-Beiträgen zumindest hier unter richtigem Namen. Dieser „Lost Place“ befindet sich sowieso gerade in einer Art Reaktivierungsphase und soll bald ganz offiziell begehbar sein. Zugegeben interessiert es aber auch jetzt keinen mehr. Ich habe sogar erfahren, dass dieser Ort sogar in einem gedruckten (!) Reiseführer steht. Fangen wir aber mit etwas Geschichte an 😉

Die Siemensbahn ist eine S-Bahnstrecke, welche die Siemensstadt mit der Ringbahn verbindet hat. Erbaut natürlich (wie könnte es anders sein) von Siemens & Halske, brachte sie die Arbeiter der Siemenswerke bequem zu ihrem Arbeitsplatz. Die Bauzeit betrug zwei Jahre, von 1927-1929. Während der Hochphase verkehrten von Jungfernheide über die Bahnhöfe Wernerwerk und Siemenstadt bis zur Endstation Gartenfeld Züge im 5-Minuten Takt. Die Verbindung von Jungfernheide zum Bahnhof Wernerwerk wurde durch eine Brücke sichergestellt, diese ist heute allerdings abgerissen. Als Siemens seinen Firmensitz nach München verlegte, wurde es allerdings sehr ruhig. Züge verkehrten nur noch in langen Abständen und die vier Kilometer lange Strecke war eine der am wenigsten genutzten des Berliner Netzes. Nach dem Reichsbahnstreik 1980 wurde der Betrieb dann endgültig eingestellt.

Heute könnte der Kontrast kaum härter sein. Von der modernen, schon damals völlig elektrifizierten Bahn ist kaum noch etwas zu erkennen. Stattdessen wachsen Bäume zwischen den Gleisen, Ruinenromantik pur. Anwohner gehen mit ihren Hunden spazieren, Obdachlose haben es sich gemütlich eingerichtet und auch Touristen verirren sich hier her. So auch unsere Exkursionsgruppe, auch einen Lost Place zu besuchen stand auf dem Plan. Wegen der lockeren Verhältnisse rund um die ehemalige Bahnstrecke fiel unsere Wahl auf diesen Ort. Ich durfte also, zumindest ein paar Stunden, Reiseführer spielen ;).

Zugegeben, die Siemensbahn ist nicht sonderlich aufregend, aber der Grad des Verfalls ist wirklich fantastisch. Schon klar: Schienen liegen ja draußen, aber genau das ist die Szenerie, die einen bei einer Zombie-Apokalypse in den Sinn kommt. Von Zombies gejagt wurden wir zum Glück nicht, in unserer kleinen Gruppe gingen wir gemütlich einige Meter auf den Schienen bis zum Bahnhof Siemenstadt, machten Fotos und unterhielten uns etwas über Urban Exploration. Natürlich stellte sich auch die Frage, inwieweit ein Lost Place musealisiert werden kann. Auch wenn die Siemensbahn wegen ihrer Bauweise unter den Denkmalschutz fällt, wird hier wenig aufgearbeitet. Die Berichte, Bestandsaufnahmen und Bilder stammen fast ausschließlich von Privatpersonen, YouTubern, Bloggern oder ehemaligen Arbeitern. Ist aber nicht gerade das auch eine Form der Musealisierung? Mit der Veröffentlichung im Internet passiert ja genau das, was in einem Museum getan wird. Das ist ja auch ein Anliegen vieler Urbexer: Den Status Quo und manchmal die laufende Veränderung festhalten. Der Unterschied ist eben nur, dass man mitten drinsteht, die Aufarbeitung selber machen muss und sich nicht an die klassischen Museumsregeln halten muss. Aber ist es gerad deswegen keine Musealisierung? Muss eine Aufarbeitung unter streng wissenschaftlichen Aspekten unter Aufsicht von Experten geschehen oder sind nicht eben auch diese Erfahrungsberichte ein wichtiger Teil davon? Was sagt ihr?

Gut…das war’s erstmal damit, nächsten Dienstag gibt es einen neuen Lost Place und, falls ich es in irgendeiner Form schaffe, eine kleine Erhebung aus meiner laufenden Masterarbeit!

Cheers!

~ Roach ❤

8 Gedanken zu “(No) Train to Siemensstadt

  1. richtig coole Location und der Bahnhof erinnert mich an meinen Lost Place der verlassene Bahnhof in München ! PS: ich habe auf meinem Blog auch die ersten 2 von 4 Lost Places von Rhodos schon veröffentlicht. Wenn du also Lust hast !!!!

    Gefällt 1 Person

  2. Sehr interessanter Artikel, denn alles mit Siemens interessiert mich. Aber eine längere Geschichte 😉 auch die tollen Fotos unterstreichen das geschriebene so toll.
    Viele Grüße Caro

    Gefällt 1 Person

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