Roach Reviews: LeonTV

Guten Morgen 😉

Steigen wir direkt ein: Vor einiger Zeit gab es einen kleinen Aufschrei um den YouTuber „ItsMarvin“. Es ging um dieses Video, in dem sowohl die Vermutung angestellt wurde, dass es sich bei den Schlackeresten um Leichen handelt und der Bunker verheimlicht werden würde.

Auf jeden Fall klärte ich das ganze wenige Tage später auf. Die ganze Geschichte hier zum Nachlesen: https://www.waz.de/staedte/duisburg/nord/wilde-geruechte-um-bunker-im-duisburger-landschaftspark-id212808595.html

Anmerkung zum Artikel: Ich unterstütze sicher nicht die WAZ und auch nicht ItsMarvin. Deswegen auch kein Statement zur angeführten Kritik für die Provisionen von Amazon wegen dem Equipment und dem Klickbait, dafür kenne ich einfach auch zu wenig Videos des Herrn. Nur zur Klarstellung (und ehrlich gesagt ist es mir egal, wie er an sein Geld kommt).

Soviel dazu. Mich interessiert ja schon eine Weile, was junge Leute, vor allem YouTuber, die eigentlich anderen Content machen und auch sonst nicht wirklich etwas mit der Szene im klassischen Sinne zu tun haben, dazu bewegt, Lost Places aufzusuchen. Ehrlich gesagt stehe ich dem ganzen Trend eher kritisch gegenüber, da, auch bei regulären Urbex-Kanälen, oft so extrem auf Klickfang gegangen wird und mit Klickbait-Titeln alles reißerischer gemacht wird, als es eigentlich ist, abgesehen davon sind, gerade bei „regulären“ YouTubern, die meisten Orte eher uninteressant und werden gerne durch erfundene Stories schmackhaft gemacht. Meine Einstellung dazu ist also nicht besonders positiv, natürlich kann man diese Aussagen nicht pauschalisieren, aber es gibt sie leider sehr oft. Auch wenn es natürlich verständlich ist, dass man „gesehen werden“ möchte (sonst würde ich auch diesen Blog nicht führen xD). Nun wollte ich es aber genauer wissen: Also habe ich mal versucht einige dieser YouTuber für ein Interview anzuschreiben und tatsächlich gab es eine Rückmeldung.

Der liebe Leon von LeonTV hat sich gemeldet und war bereit, mir etwas Insiderwissen zu verraten.

(Ich sollte an dieser Stelle noch anmerken, dass wir das Interview bereits Anfang November hatten, nur ich das ganze wegen diverser privater, arbeits- und studientechnischer Komplikationen sehr schleifen lassen habe.)

Leon führt einen Channel zu diversen Themen, in erster Linie aber zur Unterhaltung und hat zu dieser Zeit gerade 22.000 Abonnenten (Stand: November 2017).

Roach: Du machst ja, wenn ich es der Kanalbeschreibung entnehmen darf, nicht nur Urbex Videos sondern auch Comedy, Action, Abenteuer und Vlogs.

Leon: Ja, ich versuche halt alles reinzupacken, was mich interessiert und mir Spaß macht.

R.: Was mich jetzt interessiert ist dieses Format „Mysteries“. Du hast ja bei deinen älteren Videos komplett andere Themen, wie kam es dann plötzlich dazu?

L.: Im Prinzip, du kennst das sicher, wenn man jünger war und man sich erzählt hat: „Da ist ein verlassener Ort und so.“, und da hat man Gänsehaut bekommen, wenn man da dann hin ist. So ist es halt gekommen, dass wir öfter, also ich mit Kollegen, an solche Orte hin sind und uns irgendwann dachten: „Wir filmen das jetzt.“ Das war eine kleine Bahnstation damals, wo wir aber eigentlich nicht einmal wussten, was das genau war. Dann kam so der Gedanke: „Es gibt ja noch viel mehr solcher Orte, warum machen wir da nicht eine Serie draus?“

R.: Darf ich fragen, ob es jetzt nur Interesse war,oder hast du dich auch an den Trends orientiert?

L.: Also ich würde generell sagen, dass ich mich nicht an den Trends orientiere, ich mache halt, auf was ich gerade Lust habe. Mich mache ja auch zwischendurch mal ein Komedievideo oder so. Wenn ich nur nach den Trends gehen würde, dann würde ich ein Mystery nach dem anderen raushauen und richtig schnell wachsen. Darum geht es mir aber nicht, ich möchte wirklich Spaß haben, und wenn ich grad Bock auf ein Mystery habe und wir nen geilen Ort gefunden haben, dann kommt halt dementsprechend Mysteries. Wie du schon sagtest, es ist einfach das Interesse.

R.: Und was interessiert dich dann genau daran? Sind das jetzt die Orte selber, das Filmen, das Adrenalin oder…ja, whatever?

L.: Es sind alle diese Dinge, was aber schon wirklich daran reizt, ist so dieses „man weiß nicht, was auf einen zukommt.“ Ich würde jetzt nicht behaupten, dass dieses Urbexen jetzt lebensgefährlich ist oder so, aber es bringt eine kleine Gefahr mit sich und diese Gefahr bringt halt, wenn man selber dort rein geht, Spannung und auch Zuschauerspannung, weil man eben nicht weiß, was auf einen zukommt. Und dann gibt es auch noch dieses Sahnehäubchen, das sind diese ganzen Geschichten drum rum, wenn dann zum Beispiel Geister dort sein sollen. Ich bin selber jemand, der glaubt nicht zu 100% an Geister, also ich bin da sehr misstrauisch. Ich hätte jetzt auch noch nie so etwas erlebt oder zumindest nur ansatzweise, deswegen hoffe ich auch immer noch darauf, dass ich irgendwann so eine Erfahrung mache und dann sagen kann: „So, und da kann man nichts dagegen sagen, dass das irgendetwas Übernatürliches war.“ Das macht das Ganze noch mal interessanter, wenn so eine Story um den Ort drum herum ist.

R.: Weil du diese Geschichten ansprichst: Wie findet oder sucht ihr eure Orte?

L.: Am Anfang war es halt so, dass wir das Internet nach solchen Orten durchsucht haben oder auch durch Mundpropaganda von Kollegen. Mittlerweile ist es auch so, dass ich an Leute gekommen bin, die solche Orte kennen und das man dort zusammen hingeht oder sie empfehlen uns welche oder schicken die Adressen. Meistens werden uns mittlerweile die Orte aber empfohlen, was sehr, sehr cool ist.

R.: Warte, schrieben dir die Leute dann die Orte in die Kommentare?

L.: Nein, ich habe jetzt auch in der Videobeschreibung, dass die Leute keine Adressen in die Kommentare posten sollen, wenn schon per PN. Also diese Message, dass man keine Orte verraten soll, dass unterstütze ich auf jeden Fall. Es fördert ja auch Vandalismus. Wer weiß vielleicht geraten Leute sogar an die Polizei und das möchte man ja nicht. Ich gebe auch an sich überhaupt keine Orte raus, außer ich unterhalte mich mit Leuten, lerne die etwas besser kennen, wenn ich dann sehe, dass ich denen vertrauen kann, dann gebe ich auch den Ort raus.

R.: Glaubst du, dass du durch die Videos in gewisser Weise auch eine Vorbildfunktion hast, zum Beispiel im Bezug auf Vandalismus, also keinen Vandalismus an Orten?

L.: Ja, um so mehr Reichweite ich erreiche auf jeden Fall, gerade für jüngere Zuschauer und das bekomme ich auch mit. Ich merke ja auch, dass ich die motiviere, was anderes als das standardmäßige Treffen und Zocken zu machen. Die Message ist dann natürlich zu vermitteln, dass man 1. auf sich aufpassen soll und 2. das man so was wie Vandalismus nicht machen soll. Ja, ich glaube, da bin ich definitiv für manche Leute ein Vorbild.

R.: Zum Thema Gefahren: Es fällt auf, ihr geht so gut wie immer nachts auf Tour. Ich muss zugeben, ich habe meine ersten Touren auch nachts gemacht, mit dem dämlichen Hintergedanken ‚da sieht mich keiner‘. Ist ja eigentlich völliger Schwachsinn, wenn du dann mit der Taschenlampe durch die Häuser rennst. Es ist ja nicht nur deswegen blöd, sondern kann unter Umständen gleich gefährlicher werden. Warum also nachts?

L.: Hauptsächlich, weil es nachts spannender ist. Gerade bei Orten, die bewacht werden oder wo es risikoreicher ist wagen wir uns eh nicht mehr ran. Da ist es einfach scheiße, wenn du gesehen wirst, da ist es schon am Tag kacke. Da wäre halt die einzige Möglichkeit, dass wir da nachts ohne Taschenlampen mit Nachtsichtgeräten reingehen, die haben wir momentan aber nicht, auch wenn wir für die Zukunft versuchen würden, so was zu organisieren.

R.: Aber habt ihr da nicht auch ein bisschen Angst, also nicht nur wegen Obdachlosen oder so sondern auch wegen struktureller Schäden?

L.: Ja, da muss ich jetzt noch was hinzufügen. Wir gehen schon am Tag dort hin und bleiben dann, bis es dunkel wird. Wir sind dann schon drin, wir haben uns umgesehen und wir bemerken auch, wenn jemand reinkommt. So wissen wir dann, dass wir ungestört filmen können.

R.: Wie ist das bei größeren Gebäuden? Mir fällt jetzt dein 24-Stunden-Video in dem Krankenhaus ein, wenn da jemand im anderen Gebäudeteil einsteigt oder man nicht gerade aneinander vorbei läuft, merkt man da nicht viel. Bei dir war es ja auch scheinbar der Fall, dass jemand drin war.

L.: Es hat sich zumindest so angehört.

R.: In dem Video gibt es ja auch eine Stelle, in der es so aussieht, als ob dort jemand hinter dir im Gang steht, das wurde auch öfters in die Kommentare geschrieben.

L.: Wenn ich dazu ein kleines Statement machen darf: Mir haben viele geschrieben, dass dort jemand steht oder das es ein Geist ist. Es kann durchaus sein, dass in der Zeit wo ich dort drin war, jemand rein und wieder raus ist, ich habe auch später erfahren, dass es dort mehrere Eingänge gibt, ich war ja überhaupt nicht in dem Wissen, dass es da noch andere Eingänge gibt. Zu der Person, die hinter mir gestanden haben soll: Man sieht ja wirklich nur was, wenn man die Helligkeit hochdreht, das könnte wirklich alles gewesen sein. Ich vermute nicht, dass es ein Geist oder eine andere Person war, das wäre zu unwahrscheinlich. Ich meine da bewegt sich so viel nachts in einem verlassenen Krankenhaus, wenn da der Wind durchweht. Da bin ich eigentlich ziemlich ruhig, was das angeht. Aber noch mal an alle, die das hier lesen werden: Wenn man schon nachts in einen Ort geht, wirklich am Tag hin und sichergehen, dass alles stimmt.

R.: Habt ihr euch auch schon einmal Genehmigungen besorgt?

L.: Also ich kenne Leute, die sich Genehmigungen besorgen, weiß aber auch, dass das extrem schwierig ist und man meistens auch keine bekommt, weil eben die Leute, die sie dann auf das Grundstück lassen auch immer damit rechnen müssen, dass was passiert und der Besitzer dann dafür aufkommen muss.

R.: Gibt es Orte die dich speziell interessieren? Man hat ja manchmal seine Vorlieben.

L.: Ich liebe ja Orte, wo das meiste drin ist oder das meiste unberührt ist, da spreche ich wahrscheinlich im Namen aller Urbexer oder der meisten zumindest. Der Ort muss nicht groß sein, aber es ist toll, wenn halt noch viel drin ist und eine Geschichte dahinter steckt.

R.: Und ihr seit jetzt aktuell hauptsächlich bei euch in der Region aktiv?

L.: Ja, also hauptsächlich in NRW, aber auch außerhalb. Leider noch nicht deutschlandweit, aber wir reden uns schon mit Leuten zusammen, die schon weiter sind, und halten den Kontakt zu denen auch warm, wer weiß, wenn wir größer werden und ein Auto haben, können wir Orte auch deutschlandweit besuchen. Für die weite, weite Zukunft aber auch europaweit.

R.: Jetzt noch eine Frage, bei der ich womöglich zu voreingenommen bin: Du machst zum Beispiel auf deine Thumbnails diese roten Kreise oder verwendest Titel wie „Toter in verlassener Villa“. Generiert das mehr Klicks? Klickbait ist ja mittlerweile sehr ein negativ besetzter Begriff.

L.: Darüber will ich jetzt keine Auskunft geben (lacht), nein Spaß: Ja, das ist natürlich Klickbait. Ich unterscheide da aber zwischen gutem und schlechtem Klickbait. Schlechtes Klickbait ist für mich, wenn mir der Titel und das Thumbnail Sachen verspricht, die im Video nicht vorkommen, wenn es einfach gelogen ist. Wenn es so verwendet wird, dass es die Zuschauer fragen lässt und sie das Video deswegen anklicken, ist es ein doch ein guter Anreiz. Wenn genau das der Fall ist, dann hat man doch alles richtig gemacht. Ich versuche auf gar keinen Fall da irgendwelche Lügen in meine Titel zu packen, sondern das Interesse von meinen Zuschauern zu wecken, mit Sachen oder Fragestellungen, die da drin sind. Wie du gerade sagtest mit dem Toten in der Villa, das ist ein Gerücht, das es da gibt und das hinterfragen wir. Also ja, es ist Klickbait, aber kein Scheiß-Klickbait, weil mein Video so schlecht ist, dass ich die Zuschauer anlügen muss und irgendwelche falschen Versprechungen in die Titel packen muss. Ich versuche ein geiles Video zu produzieren, an dem die Leute interessiert sind und durch ein gutes Thumbnail und einen Titel sich das anschauen. Ich höre auch von Leuten, die meine Videos schauen, dass ihre Erwartungen trotz des reißerischen Thumbnails erfüllt wurden. Da bin ich komplett zufrieden, wenn ich das höre.

Aber ich weiß genau was du meinst mit diesen roten Pfeilen und Kreisen. Das wird viel zu sehr vergewaltigt in der heutigen YouTube-Zeit. […]

R.: Siehst du dich selber als Urbexer?

L.: Ja, also eigentlich schon. Im Prinzip würde ich jeden als Urbexer sehen, der sich dafür interessiert und regelmäßig Orte besucht und das mache ich auch.

R.: Zum Abschluss: Was planst du, auch außerhalb von den Mysteries, für deinen Kanal?

L.: Ich möchte, was ich auch am Anfang gesagt habe, das machen, was mir Spaß macht. Das ich dann auch, wenn ich mein Abitur habe, einfach Sachen raushauen kann, ich habe noch ganze Ordner mit Zeug, wo ich einfach noch keine hatte, was zu machen. Ja, das ich dann einfach regelmäßig von allem etwas hochladen kann.

Fazit: Ich habe meine eher negative Stellung zu der ganzen Thematik ja am Anfang schon beschrieben. Deswegen jetzt konkret zu LeonTV: Ich persönlich finde Leons Videos eigentlich unterhaltsam und kann ihm in Bezug auf Klickbaiting nur recht geben. Er ist zudem auch einer der angenehmen YouTuber zum Anschauen, die Mysterie-Serie erinnert zwar an die gängigen Urbex-Videos sind aber gut geschnitten und in einer ordentlichen Qualität. Deswegen hoffe ich, dass er den im Interview erwähnten Prinzipien treu bleibt und der Content weiterhin in der Form beibehält.

An dieser Stelle nochmal Vielen Dank für das Interview!

Liebe Leser: Was haltet ihr davon?

Cheers!

Titelbild © LeonTV

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