Berlin-Tour: Kirchentag Berlin

So, nach den Urbex-Beiträgen nun zu dem offiziellen Teil, für den wir fast 10 Stunden von Österreich nach Berlin gefahren sind: Den evangelischen Kirchentag!

Gleich am Anfang: Ich habe keinen evangelischen Hintergrund, ich wuchs in einer religiösen, katholischen Familie auf. Heute mache ich mir nicht mehr viel aus Religion, zumindest persönlich. Angefangen hat dieses ganze Projekt als eine mehrsemestrige Uni-Veranstaltung zum 500 Jahre Reformationsjubiläum in Tirol. Es geht also speziell um die evangelische Minderheit in einem fast ausschließlich katholischen Gebiet. Im Zuge dessen läuft aktuell noch ein Forschungsprojekt mit Präsentation zu den diversen Lebensbereichen der Gemeinden in Tirol.  Ein Teil dieser Veranstaltung war eben diese Exkursion nach Berlin und Wittenberg. Da es wirklich spannend war, eine solche Großveranstaltung mit so vielen verschiedenen Facetten zu besuchen, würde ich gerne darüber schreiben.

Nach einer langen Zugfahrt erreichten wir also Berlin, die erste Nacht verbrachten wir in einem Hostel (wir konnten unsere Unterkunft erst am nächsten Tag beziehen, vorher hatten wir das Gespräch, ob wir in einem Hostel bleiben oder Kirchentags-Like in einer Gemeinschaftsunterkunft übernachten). Danach folgte eine kleine Stadtrundfahrt, da einige noch nie in Berlin waren. Danach ging es zum Checkpoint Charlie und ins Assisi-Panorama der Berliner Mauer. Ich persönlich finde ja die kleinen Geschichten rund um die Mauer total interessant, was ich aber immer noch etwas seltsam finde, ist wie die ganze Teilung noch in den Köpfen verankert ist. Natürlich machen so viele Jahre Teilung sicher viel aus, aber irgendwie kommt mir vor, dass diese Dynamik in Berlin immer noch stark spürbar ist.

 

Danach ging es auch schon zum Eröffnungsgottesdienst vor dem Reichstag. Nach langen Security-Checks konnten wir auf die Wiese. Auffällig waren die orangen Schals, die die Leute trugen. Diese wurden für eine „freiwillige“ Spende von vier Euro ausgegeben. Diese Schals waren auch ein großes Thema bei unseren Feedback-Gesprächen. Irgendwie wirkten diese identitätsstiftend, die Besucher des Kirchentages grenzten sich durch die Schals und auch die Bändchen mit den Tickets dran irgendwie ab und der Rest der Hauptstadt wusste sofort wer „die seltsamen Kirchentagsleute“ waren.  Ansonsten war das Publikum vom Normalo bis hin zu konservativen Christen bunt gemischt. Auch jede Menge der evangelischen Pfadfindergruppen waren anwesend, etwas was man hier eher selten sieht. Nach zwei Stunden war der Gottesdienst vorbei. Das Wetter hatte zum Glück halbwegs gehalten und am Ende kamen wir sogar noch in den Genuss des „heiligen Lichts“ (ihr kennt doch dieses Phänomen, wenn ein Lichtstrahl durch die Wolkendecke tritt?), was in der Menge zu allgemeiner Erheiterung führte.

Am Morgen dieses Tages bezogen wir außerdem noch unser Quartier. Nach einer etwas längeren Fahrt in den Stadtteil Nikolaussee fanden wir uns in einer noblen Villenviertel, ein ehemaliges Feriendorf wie ich später herausfand, wieder. Kopfsteinpflaster, viel grün und richtig romantisch. Dagegen passte die Schule nicht ganz hinein. Ich schätze, dass es sich dabei um ein altes Krankenhaus oder Ähnliches gehandelt hat. Die Architektur und die hohen Räume sprachen zumindest dafür. Nun, trotzdem nicht ganz das was man zwischen teuren Villen erwartet hätte. Unser Quartier war ein Klassenraum, den wir uns zu Sechst teilten. Zugegeben das Quartier war jetzt nicht so gewaltig, die Duschen meistens kalt aber eigentlich echt nett, vor allem die Gegend. Eines Abends tauchte sogar ein Fuchs im Hof auf. xD

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Aber zurück zum Kirchentag. Wie bereits gesagt, es war eine Großveranstaltung, dementsprechend breit war das Programm. Von Diskussionen über Religion oder ganz profanen Themen wie Sexualität, Wirtschaft oder modernen Medien bis hin zu Kursen in Gebärdensprache oder Konzerten. Eine Veranstaltung, die sicher ein Highlight war, war sicher jene bei der Obama und Merkel über Demokratie sprachen. Ein sehr guter Vortrag, total interessant und auch sehr kritisch. Die Sicherheitsmaßnahmen waren auch dementsprechend gewaltig. Ein Konvoi zum Schutz, starke Checks durch die Security, regelmäßige Helikopterflüge über dem Gelände und Polizei und Scharfschützen am Dach, kein Wunder bei der Menschenmenge. Ums Brandeburgertor wurde alles weiträumig abgeriegelt. Zum Glück blieb es aber ruhig, ich nehme an, dass sicher viele die Angst im Hinterkopf hatten, gerade so kurz nach dem Anschlag in Manchester.

Die restlichen Tage verbrachte ich mit einigen Vorträgen zu meinem Projektthema: Musik. Etwas was ich hier hervorheben möchte war ein Konzert der Metalband Sanity. Es war etwas…surreal. Zum einen fand das ganze in einer Kirche statt, gesungen wurde das Johannes-Evangelium, natürlich in Form von Death-Metal Songs. Zum anderen war es interessant, das Publikum zu beobachten. Da gab es die ältere Generation die einfach nur zuhörte und dann gab es die Metalfans, mit Lederjacken und Nieten, die einfach nur in der Bank saßen und headbangten…im sitzen. xD

Eindrücke gibt es hier im Video 😉 Der gute Mann hier hat das ganze Konzert gefilmt.

Am Ende noch ein kurzer Abriss zum Markt der Möglichkeiten in der Messe. Nachdem ich nach einer geschlagenen Dreiviertelstunde endlich das Gelände gefunden hatte, wurde mir schnell klar, dass die eingeplanten zwei Stunden nicht reichen werden. Über die ganzen Messehallen war alles Mögliche verteilt. Neben den Organisationen die sich für Flüchtlinge oder Schulen in Kenia einsetzen oder Hilfe für Tschernobyl-Kinder geben, gab es diverse Infostände über evangelische Minderheiten in allen möglichen Ländern. Kleine Story am Rande: Die älteren Damen der preußisch-evangelischen Gemeinden in Russland und Litauen haben mich als Mitglied angeworben, ich weiß jetzt sogar wo ich die Seelsorge in Kaliningrad ist. Dennoch war es total interessant sich mit den Leuten zu unterhalten. Eine andere Halle wirkte eher wie unterschwellige Werbung. Dort warben Immobilienfirmen, Versicherungen und „Godspeed“, ein christlicher Internetanbieter (wie auch immer das funktioniert). Natürlich gab es noch eine Halle mit Einkaufständen, um ehrlich zu sein…ein bisschen Kommerz fand rund um den Kirchentag schon statt. Es gab einfach alles. Von diversen Artikeln, mit denen Luther verkauft wurde wie hierzulande Andreas Hofer bis hin zu Büchern, es gab sogar einen Jesus-Manga. Am Ende kam ich mit einer Menge Flyer, kleinen Geschenken der Stände und vollen Kopf wieder raus.

Leider ging sich der Abschlussgottesdienst in Wittenberg wegen fehlerhaften Fahrplaninformationen nicht mehr aus. Dennoch schafften wir es am letzten Tag noch kurz nach Wittenberg. Dazu aber später einen eigenen Artikel 😉 Am Ende des Kirchentages gab es viele Eindrücke, positive wie negative. Es brauchte ein paar Tage bis ich auf alles einen weiteren Blick werfen konnte. Zum Sehen war es auf jeden Fall genial, eine tolle Erfahrung, die sicher im Gedächtnis bleibt.

Am Ende noch ein paar Impressionen 😉

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Computerspielmuseum

Am letzten Abend druckten wir uns noch ein paar Souvenirs mit Kanaldeckeln 😀

Cheers!

Weiter geht es mit meinen Tagesausflug nach Szczecin 😉

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