Roach Reviews: Verfallen & Vergessen – Lost Places in der Alpen-Adria Region

Kürzlich stieß ich in einem Artikel auf das Buch „Verfallen & Vergessen – Lost Places in der Alpen Adria Region“ von Georg Lux und Helmuth Weichselbraun.

„Natürlich spielt der raue Charme der Vergänglichkeit eine Rolle, optisch vor allem. Inhaltlich wollen wir aber nichts schönreden, nichts weichzeichnen, nichts lackieren: Es geht in diesem Buch um Verlassenes, das unserer Meinung nach nicht vergessen werden sollte.“

So beschreiben die Autoren ihr Buch im Vorwort. Aber Orte öffentlich nennen? Das streitet sich doch mit dem Konzept der Urban Explorer? Ich dachte zumindest so und war dem Ganzen gegenüber etwas skeptisch, habe das Buch aber einfach mal bestellt. Dennoch ließ mich die Sache nicht mehr los, deswegen habe ich Georg Lux (auch für meine Abschlussarbeit) um ein Interview gebeten. Schon wenige Tage später hatte ich dann ein sehr geniales Gespräch von über einer Stunde auf Band…und eine Menge Hintergrundinformationen.


17918489_879809325500646_633314969_nAbenteuerliche Orte – in Kärnten, Friaul, Slowenien und Kroatien – als Zeugen einer Vergangenheit, die langsam verblasst.

Ein ausrangierter Bahnhof, Ruinen und Schlösser mit reichem Vorleben, ehemalige Wirtschaftswunder-Fabriken, unselige Kriegsrelikte und fünfhundert Meter tiefe Stollen unter der Erde: Georg Lux und Helmuth Weichselbraun haben sich wieder einmal auf Spurensuche begeben. Faszinierendes zum Nachlesen, aber auch, wo möglich, zum Nachreisen.

Im Mittelpunkt des „Reiseführers gegen das Vergessen“ stehen beeindruckende Fotos und die Geschichte der Lost Places. Angereichert sind die Schilderungen in der beliebten Mischung aus augenzwinkernder Leichtigkeit und hintergründigen Fakten mit vielen Insider-Tipps zu Sehenswertem am Rande.

Aus dem Inhalt:

  • Die stillgelegte Torpedofabrik Whitehead in Rijeka
  • Der verschwundene Zirknitzer See im Westen Sloweniens
  • Mittelalterliche Vogelfanganlagen bei Udine
  • Das verlassene Thermalbad in Bad Bleiberg
  • u.v.m

Der Autor:
Georg Lux, geboren 1974, ist Newsdeskchef der „Kleinen Zeitung“ in Klagenfurt und Blogger. Als Journalist entdeckt der gebürtige Villacher seit mittlerweile 20 Jahren vergessene Orte und Geschichten, zunächst als Polizeireporter bei „täglich ALLES“ in Wien, später als Chefredakteur der Gratis-Tageszeitung „ok“ in Graz und als Autor für den WIENER. Zuletzt bei Styria erschienen: Gold in Österreich (2015).

Der Fotograf:
Helmuth Weichselbraun
, geboren 1972, Inhaber eines Fotostudios, Redaktionsfotograf der „Kleinen Zeitung Kärnten“. Zuletzt bei Styria erschienen: „Kärntens geheimnisvolle Unterwelt“ und „Gold in Österreich“.

Anm.: Offizielle Presseaussendung 

Nach Reportagen über Kärntens Unterwelt, „unterirdische“ Ausflüge nach Italien und Slowenien und der Suche nach Gold in den Hohen Tauern sind die beiden auf ihren Wegen über das Thema Lost Places gestolpert, mit einer Mischung aus Fotografie und historischen Interesse. Das Buch sollte auch kein einfacher Bildband werden, es werden Orte vorgestellt die man nicht besuchen kann oder nicht besuchen sollte, aber es wurde eben als „Reiseführer gegen das Vergessen“ untertitelt. Deswegen werden die einzelnen Beiträge noch zusätzlich mit Informationen zu Orten, die „auf dem Weg liegen“ angereichert, einfach damit die Leser etwas haben, das legal besucht werden kann.

Aber etwas, das mir weiterhin unter den Fingern brannte, war, ob nicht gerade so viele Informationen dazu verleiten, eben dort hin zu gehen. Auch wegen der Gefahren, die an solchen Orten lauern können.
Gleich nach das Vorwort haben die Autoren „Wichtige Hinweise“ gesetzt. Diese zeigen strafrechtliche Konsequenzen  auf und geben auch moralische Anstöße (Nichts zerstören, nichts mitnehmen,…). Es ist klasse, dass jemand in einem Buch über das Thema überhaupt darauf eingeht. Aber trotzdem…Orte verraten? Georg Lux beantwortet mir auch diese Frage: Die Beiden haben sich Gedanken gemacht und ja, es fällt auf: Der Begriff Urban Exploration wird nie verwendet. Warum? Sie sehen sich nicht als die klassischen Urban Explorer. Nicht nur weil viele ihrer Orte nicht einmal im urbanen Raum stehen…

„Wir wollen nicht auf einer Welle surfen, die uns nicht zusteht, wir sind kein Teil der Szene. Ich kenne Urban Explorer, die ähnliche Dinge machen aber wir haben eine Mischung aus einem fotografischen, historischen und kommerziellen Zugang zum Thema, das kann man nicht leugnen.“

Auch glaubt er, dass klassische Urban Explorer es nicht besonders gutheißen würden, wenn man das Thema so kommerziell anreichert, auch wenn man ein Buch nicht nur schreibt um Geld zu verdienen, sondern weil einem das Thema am Herzen liegt und weil es einfach Spaß macht.

„Ich hätte das nicht richtig gefunden und auch mein Kollege nicht.“

Und was ist mit Tourismus?

Lux verweist auf die Zielgruppe, die Buchkäufer, die Gefahr, dass klassische Buchkäufer los gehen und mit Feuerlöschern in den Bahnhof  Tarvis oder sonst wo einbrechen, schätzt er als sehr gering ein. Die Bücher gibt es in einer gewissen Auflage und die Zielgruppe ist beschränkt. Abgesehen davon sind die Orte nicht mit exakten Koordinaten angegeben und können meist auch von jedem denkenden Menschen leicht mit etwas Hilfe von Google gefunden werden. Das war ein weiterer Punkt, den Lux erwähnt. Sie publizieren nicht online, die Zielgruppe ist eingeschränkter. Bücher seien da nicht so risikoreich, um die falschen Leute anzulocken.

Am Ende geht es den Autoren auch um die Sensibilisierung für die (eigene) Geschichte. Die Leser sollen am Ende das Buch weglegen und etwas „gelernt“ haben. Viele Dinge haben sie auch nicht erzählt, es gab noch weitere Orte, die fotografisch toll waren, aber keine Geschichten boten. Das Aufmerksammachen war also nicht zuletzt auch ein Hintergedanke des „Reiseführers gegen das Vergessen.“

Ich persönlich finde das Buch sehr interessant und hatte jede Menge Freude beim Lesen. Gut recherchierte Geschichten und toll erzählt und auch die Fotos geben einiges her. Als Urbexer hadere ich noch etwas mit dem „Reiseführer-Image“ aber mit den Hintergrundinformationen aus dem Interview liefert das Buch natürlich genau das, was es verspricht. Vermutlich habe ich hier natürlich auch einfach eine etwas andere Sichtweise auf die Thematik, als jemand der nicht aktiv ein Teil der Szene ist. Am Ende ist eine unterhaltsame Lektüre herausgekommen, die Spaß auf mehr macht. Mein nächster Urlaub ist auf jeden Fall schon geplant. 😉

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Hier der Link zum Verkaufsseite von Styria Books: http://www.styriabooks.at/article/6209

Alle Bilder (außer dem Beitragsbild) ©  Styria/ Helmuth Weichselbraun  

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