Italien Tour: Tag 5

Tag 4 –> https://urbanroachblog.wordpress.com/2016/11/05/italien-tour-tag-4/

So, endlich der letzte Eintrag dieser Tour. Tag 5, letzter Tag, eine überraschende Location und ein genialer Abschluss.

ex Sanatorio XX secolo

Unser nächstes Objekt ist ein Psychiatrisches Krankenhaus und eine ehemalige Erholungseinrichtung. Wer würde schon denken, dass unweit einer der größten Touristenmetropolen ein verlassener Komplex mit 12.000 Quadratmetern und einem Turm mit sieben Stöcken steht? Mit seiner Atmosphäre und einigen Legenden rund um das Gebäude, lockt es immer wieder Abenteurer, Fotografen und Geisterjäger an aber nicht zuletzt natürlich auch Sprayer, Plünderer, Vandalen und Obdachlose. Das Sanatorium war in Summe eine psychiatrische Anstalt, zeitweise wohl auch mehr ein psychiatrisches „Gefängnis“,ja sogar von Experimenten ist die Rede, eine Lungenheilanstalt und zuletzt das Zuhause von einer Gruppe Zigeuner, die aber in den vergangenen Jahren vertrieben wurden. Die Psychiatrie befand sich im östlichen Teil des Gebäudes. Während des Faschismus 1934 beschloss die naheliegende Stadt alle Tuberkulose Patienten in das Sanatorium, umgeben von dichten Wäldern zu bringen. Da die Luft den Lungen gut tun sollte, wurden hier rasch viele Patienten aus der weiteren Umgebung behandelt. Bis in die 90er Jahre hatte es einen guten Status. Dann begann der Abstieg, im Gebäude befand sich viel Asbest. Entweder stammt es noch aus der Bauzeit oder es wurde in den 60ern „eingeschleppt“, hier gehen die Berichte auseinander. In den letzten 20 Jahren gab es viele Ideen für den leerstehenden Komplex, eine Zwischennutzung erfuhr es 97 bei einem Pilgerjubiläum in dem dort provisorisch kurdische und albanische Pilger nächtigen. Es gab auch Ideen es als regionales Gesundheitszentrum neu zu erschließen. 2009 gab es Pläne das ehemalige Sanatorium in ein Gefängnis umzuwandeln. Schlussendlich wurden die Strukturen 2011 für 6 Millionen an einen privaten Investor verkauft. Seitdem passierte Nichts.

Man wandelt durch die besprühten Gänge, jede Scheibe ist eingeschlagen, das Geräusch wenn man auf die Glassplitter tretet ist nicht zu vermeiden. Ansonsten ist hier alles recht zerstört. In der Ferne hört man lediglich hin und wieder das Bellen von Hunden, draußen auf dem Parkplatz unterhalten sich zwei Herren, ab und an sieht man unten auf der Straße jemanden vorbei gehen. In den Flügeln rechts des Turmes hört man es immer wieder knacken. Ob es nur das Gebäude ist das förmlich schreit oder ob noch jemand da war? Keine Ahnung, ehrlich gesagt haben wir es uns gespart den Rest anzusehen, es gab whl kaum noch etwas Interessantes. Nach sieben Stockwerken zwängten wir uns durch einen kleinen Zwischenstock, nur in der Hocke kam man zu der kleinen Leiter, die auf das Dach führte. Dort wurden wir mit einen tollen Panorama belohnt, weite Hügel und wunderschöner Blick.

Ferien im Grünen

Aktuell weit oben auf der Liste meiner „Lieblings-Locations“. An der Wand hängt noch der Kalender von 1997. In den Büros liegen Materiallisten, in der Küche stehen noch die Tische und Tabletts gestapelt. In den oberen Etagen schimmeln die Matratzen und die Medikamente in der Krankenstation. Aber der Hammer kommt im Keller, in der Waschküche schauen aus den offenen Schränken Hemden und Sportanzüge im knalligen 80er Jahre Stil hinaus. Vieles noch gefaltet wie vor 19 Jahren. In Blau und Rot für die Jungs und in Rosa und Türkis mit Rock für die Mädchen. Alles wurde zurück gelassen, als würde man hier bald wieder Gäste begrüßen. Die Kleidung und vieles andere ist liegengeblieben, das meiste andere von Wert wurde geklaut. Trotzdem blieb auch vieles fast unberührt. Öfters hat man versucht die Diebe und Vandalen fernzuhalten, in den unteren Ebenen ist vieles fest verriegelt, dennoch dauerte es nicht lange bis wir einen Weg hinein fanden. Die 60 000 Kubikmeter Beton, die die Struktur bilden erinnern mit stummen Zeugen an bessere Zeiten, Kostüme, Tütüs, Spielsachen, Bälle  und Spielautomaten mit Einwurf für Lire-Münzen. Die verlassenen Gänge könnten einem Kubrick-Film entsprungen sein…wie das Overlook-Hotel…gleich springt Jonny hinter der Ecke hervor. Nur das einem hier eher der Schimmel entgegen kommt. Gleichzeitig gab es noch ein kleines 80er Jahre Hotel für Eltern, die bei ihren Kindern bleiben wollten.

Es ist wirklich krass, das dieser Bau so verfällt, seit Jahren steht alles leer. An den Wänden fanden sich oft noch die Inschriften von ehemaligen Kindern des Camps. Gegenüber gibt es einen Sportplatz, dieser wird heute noch verwendet, daneben gab es auch einen kleinen Park für die Eltern, ein kleines Waldstück heute erinnert nichts mehr daran. Trotzdem ein großartiger Zeitzeuge, den wir nicht in dieser Form erwartet hätten.

Anm: Vom Hotel habe ich keine Fotos, mein Kollege hat aber ein Video gemacht, das ich separat verlinke, genauso wie das Video zum Ferienlager selber.

Die Abhörstation

Nun stand uns nur noch eine Lange fahrt zur letzten Location bevor. Eine alte Abhörstation irgendwo im Nirgendwo. Der Plan war dort bei Sonnenuntergang anzukommen. Leider lief es nicht ganz wie erwartet. Die alte Militärstraße hatte kurz vor dem Ziel ein großes nasses Schlagloch, kein Weiterkommen mit dem Auto möglich. Also mussten wir die letzten drei Kehren zu Fuß zurück legen. Kehren ist in diesen Fall relativ…da die Straße vor allem militärischen Zwecken diente waren diese recht…nennen wir es langgezogen. Pro Kehre waren es etwa ein Kilometer. Ich verweise hier nochmal auf meine Unsportlichkeit, irgendwie haben wir es aber in 20 Minuten hoch geschafft. Selten habe ich mich so gefreut rostende Zäune zu sehen. Aber verdammt hat es sich gelohnt! Den Sonnenuntergang haben wir zwar knapp verpasst aber die Szenerie war einfach gewaltig. In einem der alten Gebäude brannte Licht, vermutlich ein Hobby-Funker. Neben den kleinen Metallhütten gab es noch Bunkereingänge. Leider war es schon zu dunkel und wir hatten noch einen langen Heimweg vor uns. Aber definitiv ist hier ein zweites Mal drin, dann früher und mit Schlafsack und Proviant 😉

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So…das war unser Italien Trip, jede Menge tolle Locations, vermutlich 3 Kilo abgenommen (zu viel Laufen und zu wenig Essen :P) und einiges an tollen Geschichten und Bildern wieder mit nach hause genommen. Nochmal einen Dank an dieser Stelle an Urbex Tyrol fürs mitnehmen. Gerne wieder 😉

Cheers!

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