International Highschool J

13.30. Der erste Schritt aus dem Bus. Es ist windig, sehr windig. Das Ziel ist ein ehemaliger Gasthof/Pension und eine Internationale Schule der Amerikaner. Verlassen scheinbar wegen finanzieller Probleme und völlig vergessen, selbst die Gemeinde konnte mir so gut wie nichts sagen, gefunden nur durch einen Kontakt. Das große Haus zu finden war nicht sehr schwer. Freude macht sich breit, das Haus ist riesig, sieht von außen bis auf kleine Spuren sehr gut aus.

DSC02988
DSC02989

Zu früh gefreut? Antwort: Ja.

Kaum hatte ich mich dem Gemäuer genähert, sah ich schon die ersten zerbrochenen Fenster und ausgerissenen Holzteile. Ein Balkon des Untergeschosses fehlte komplett. Jedes einzelne Fenster war eingeschlagen, der Wind schlug die Türen im inneren auf und zu, ein groteskes Bild mit der passenden Hintergrundmusik. Nur das Wetter ließ es noch friedlich wirken. Das Haus schrie förmlich.

Schnell wurde klar das ich hier nicht weiter komme, nicht allein auf jeden Fall. Die meisten Balkone sahen nicht sehr stabil aus und im Ernstfall wäre ein schnelles Herauskommen nicht möglich gewesen. Ich umrundete das Haus, die Haupttür war vernagelt. Am Nordende befand sich eine Tür. Das Glas war völlig zersprungen. Wohl ein provisorischer Eingang. Ich versuchte es, scheiterte nicht an der Größe sondern an der herumliegenden Scherben. Mir womöglich noch Schnittwunden und Entzündungen war der Zustand im Inneren nicht wert, auch wenn es mich sehr dorthin gezogen hat.

DSC02999DSC02993DSC02996DSC02990

Meine Begleitung, die leider mit Bauchgrippe flach lag, riet mir in den Keller zu gehen, es gibt einige Geschichten über diesen Keller. Der Keller der nur von außen zu erreichen war befand sich direkt neben dem Eingangsloch. Ein (gesprayter) Pfeil zeigte zur Kellertüre, auch die war halb zerstört und stand weit offen. Der Keller sah riesig aus, mit einer Menge Räumen. Ich umklammerte mein Stativ fester, der Keller war dank der vielen großen Fenster sehr hell, trotzdem schaltete ich die Taschenlampe ein, versicherte mich durch Rufen das ich allein war. Ich entschloss mich nur die vorderen Räume zu erkunden, soweit dies bei der Zerstörung möglich war. Die Geräusche von oben trieben mich wieder raus. Zugegeben ich hatte an dem Punkt etwas Schiss.

DSC02991DSC02992

Also beschränkte ich mich auf Fotos durch die Fenster, absolute Zerstörung. Ich dachte das Hundehaus wäre schlimm gewesen, dieser Ort ließ eine gewisse Wut in mir aufsteigen, noch vor einem Jahr sah es hier angeblich noch recht gut aus, man konnte an den Dokumenten sehen was sich hier abspielte, Inventar war nicht zertrümmert. VOR EINEM JAHR!

Durch eine Kollegin die in der Gegend wohnt habe ich heute erfahren, dass sie und einige Freunde vor einigen Monaten auch schon hier waren, um zu verwüsten. Ich hätte aber kein solches Ausmass erwartet. Absolut kein Respekt und noch weniger Verständnis für die Aussage „Ja es ist ja sowieso leer“.

DSC02994DSC02998DSC02997

Doch etwas unmittelbar hinter dem Hof ließ meine Laune wieder etwas steigen. Ein zweistöckiger Pavillon aus Holz, gelb/rot gestrichen. Er war scheinbar auch nur auf diesen Weg z erreichen . Die Aussicht war einfach genial. Nur einmal kamen zwei ältere Damen den Weg entlang, gingen den Weg in das Feld unterhalb hinab. Absolute Ruhe, das was auch in diesen Gebäuden eigentlich der fall sein sollte. Vielleicht werde ich noch mal zurückkommen, in Begleitung und den Keller doch noch einmal ganz erkunden. Fürs erste wars das wohl, das Schicksal des Hofes, der so schön gelegen ist, ist wohl keine rosige, Schade.

4 Gedanken zu “International Highschool J

  1. Mir war schon immer völlig schleierhaft, was diese Verwüstungen sollen??? :no: Die Häuser gehen ohne Pflege früh genug kaputt. Wozu ist der Vandalismus gut? Aber es ist überall das Selbe, leider. Man findet das ja auch in den Städten. 😦 Der Ausblick übers Tal ist in der Tat genial :yes: Ich habe am Taunus auch so einen Lieblingsplatz, wo man ins Maintal blicken kann. 🙂 Du solltest bald mal in männlicher Begleitung dorthin zurückkehren, ehe noch jemand Feuer legt, das fehlt jetzt noch…

    Gefällt mir

    • Mir leider auch, ich meine da wo ich aufgewachsen bin gab es ein geschlossenes Skigebiet, ich habe wie viele andere in meinem Alter dort noch Skifahren gelernt vor der Schliessung. Wir waren damals vllt. 6-8 Jahre. Sind da natürlich auch hin, haben uns umgesehen und dort halt alles mögliche gespielt. Aber bei uns war ja allein schon immer der Gedanke im Hinterkopf das wir Ärger bekommen würden wenn man herausfinden würde wer was kaputt gemacht hat und da unser Dorf recht klein ist war das auch nicht schwer.

      Zumindest habe wir noch gelernt das man nichts kaputt macht was einem nicht gehört und nichts liegen lässt. Es ist verlassen nd es interessier thalt keinen, da haben sie schon recht aber es gehört deswegen noch lange nicht einem selber : /

      Im Maintal war ich leider bisher noch nicht. Sieht aber auf jeden Fall auch sehr schön aus.

      Ich habe auch vor zurückzukommen, wenn es meine Ausbildung zulässt. Wohl aber eher in weiblicher Begleitung. Der nächste Mann der so etwas freiwillig machen würde bzw. den ich mitnehmen würde lebt leider gute 100 km entfernt (Luftlinie) xD

      Gefällt mir

    • Hi auch!

      Die meisten Geschichten drehen sich um die Nutzung eines so großen Kellers. Man muss an dieser Stelle wissen, das der Gasthof schon lange vor dem Einmarsch der Alliierten stand. Tirol war an sich auch französische Zone und in dem Keller gibt es anscheinend riesige Maschinen, die keinen Verwendungszweck für die später gegründete Schule hatten (die ursprünglichen Besitzer sind als überzeuge Nationalsozialisten angeblich geflohen). Allein schon der Fakt das die Amis in der französischen Zone eine Schule gründeten machte Raum führ Spekulationen. Die Reichweite geht von geheimen Untersuchungen bis hin zu Waffenforschung.

      Auch die Schliessung heizte die Fantasie an. Normalerweise ist das was die Amerikaner bei uns hinterlassen haben ordentlich und sauber zurückgelassen. Hier war es aber eher so das alles einfach stehen und liegen gelassen wurde. Auf den Fotos und den Erzählungen wo das Gebäude noch halbwegs intakt war sind noch Pässe vorhanden, Steuererklärungen, Bücher etc. Also das was ich bisher erfahren habe mussten sie wegen finanziellen Problemen schliessen. Im Dorf hält sich aber hartnäckig das Gerücht das es während der Forschungen Unfälle mit irgendwelchen gefährlichen Stoffen gab, andere behaupten das dort Leute ermordet wurden.

      Du siehst die Geschichten haben eine weite Bandbreite. Fakt ist jedoch das der Ort heute bis auf die Vandalen wirklich vergessen wurde. Ich hatte das Glück einen Kontakt zu treffen der einen ehemaligen Lehrer kennt, aber auch die wissen nicht mehr. ^^

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.